Thüringer Informationszentrum Spiritueller Tourismus in Reinhardsbrunn

 

Nicht in Erfurt, nicht in Weimar und auch nicht in Eisenach befand sich im Mittelalter das geistliche und geistige Zentrum Thüringens sondern in Reinhardsbrunn, dem heutigen Ortsteil von Friedrichroda. Seit 1085 stand sich hier das Benediktinerkloster der Thüringer Landgrafen, ihr Hauskloster und ihre Grablege. Bis zur Reformation fanden die Ludowinger und die sächsischen Nachfolger im Kloster ihre letzte Ruhestätte. Elisabeth von Thüringen bestattete hier 1228 ihrer Mann, Ludwig IV. Im Volk wurde der Landgraf dann als ‚Ludwig der Heilige’ verehrt, Wunder an seinem Grab machten Reinhardsbrunn zum bedeutendsten Thüringer Wallfahrtsort. Unzählige Pilger kamen, um in seiner Grabkapelle zu beten. Auf den Grundmauern des Klosters errichteten die Herzöge von Sachsen-Coburg und Gotha im 19.Jahrhundert ein Jagd- und Lustschloss im neugotischen Stil. Der umgebende Schlosspark war der erste Thüringer Park des Historismus und ein Gartenkunstwerk von europäischem Rang. Bis zum Ende der DDR wurde das Schloss als Devisenhotel genutzt, es war durch seine internationalen Tagungen und die Konzerte des Gewandhauses überregional bekannt und ein kulturelles Zentrum im zweitgrößten Urlauberort der DDR.

 

Nach der friedlichen Revolution und dem Verkauf des Schlosses an eine westdeutsche Hotelkette begann der Niedergang. Das Hotel wurde geschlossen, sein Verfall schreitet voran, auch ein mehrmaliger Eigentümerwechsel führte bisher zu keiner Besserung. Im Außenpark des Schlosses errichtete die Ev. Luth. Kirche in Thüringen ab 1992 mit dem Evangelischen Stift ihr zentrales Bildung- und Begegnungszentrum. Zwei ehemalige Ferieneinrichtungen nahmen 6 unterschiedliche Aus- und Weiterbildungseinrichtungen auf. Auf Grund innerer und äußerer Schwierigkeiten löste die Landeskirche allerdings schon 1997 ihr Zentrum wieder auf. Seitdem haben sich kirchliche Vereine um die sinnvolle Nutzung des Geländes bemüht.

 

Unter dem Namen ‚Klosterpark Reinhardsbrunn’ entwickelten die Verantwortlichen touristische Projekte, die an die geistigen und geistlichen Wurzeln Reinhardsbrunn erinnern. Dazu gehörte der Nachbau der Taufkapelle von Bonifatius, die im Jahr 724 unweit von Friedrichroda errichtet worden war. Diese Reinhardsbrunner Johanniskirche (geweiht 2001) ist erste Radwegekirche in Deutschland. Kloster Reinhardsbrunn und Schauenburg (erste Burg der Ludowinger) wurden als 1:10 Modelle nachgebaut und im Park aufgestellt. Die Region um Friedrichroda zählt heute wieder zu den wichtigen Tourismusgebieten Thüringens. Weltweit gehört vor allem der Kulturtourismus zu den Wachstumsbranchen. Eine Spezialform des Kulturtourismus ist der spirituelle Tourismus, seit einigen Jahren wird dieser Bereich gezielt untersucht, entwickelt, strukturiert und in Studien wissenschaftlich aufgearbeitet. Für die Kernländer der Reformation Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen ist vor allem das 500.Jubiläum dieses welthistorischen Umbruchs von Bedeutung. 

 

Seit 2008 läuft die Lutherdekade, sie gibt dem spirituellen Tourismus wichtige Impulse Für Thüringen ist der Lutherweg ein großes Infrastrukturprojekt. Mehr als 1000 km Wegstrecke verbinden 21 Lutherorte. Eine Station ist Reinhardsbrunn, Luthers Freund, der erste Superintendent Gothas Friedrich Myconius, berichtet, das Martin Luther als 'Junker Jörg' von der Wartburg aus mehrfach im Kloster Reinhardsbrunn war und zum Erstaunen der Mönche gelehrte Gespräche führte, was von einem 'Ritter' nicht unbedingt zu erwarten war. 

Vor diesem Hintergrund und im Zusammenhang mit den inhaltlichen Schwerpunkten des Vereins hat ‚Kirche und Tourismus e.V.’ im ehemaligen Heizhaus zwischen Schloss und Klosterpark Reinhardsbrunn ein Thüringer Zentrum für Spirituellen Tourismus aufgebaut das im Sommer 2011 eingeweiht werden konnte. Damit konnte in diesem touristischen Bereich deutschlandweit Neuland betreten werden. In der aktuellen Tourismuskonzeption des Freistaates Thüringen ist der Spirituelle Tourismus als eigener Bereich nun auch mit genannt.

 

Im Info-Zentrum wird die Geschichte des Ortes, der Region und die wichtigsten Thüringer Angebote des spirituellen Tourismus präsentiert und dokumentiert (Pilgern, Klosterorte, Kirchenmusik, Heilige Stätten, Offene Kirchen u.a.) In Zusammenarbeit mit dem Förderverein Schloss und Park Reinhardsbrunn ist dort auch ein Info-Point eingerichtet worden, der über die Historie und gegenwärtige Probleme berichtet..                                                                                                                                                            Seit dem 18.1.18 hat der Lutherweg einen eigenen Ausstellungsbereich, der überdachte Kohlenlagerplatz aus Zeiten des Pionierlagers, ist in den letzten Jahren mit hohem Aufwand zum Lutherweginfomationszentrum umgebaut worden. Von den fünf Erlebnisräumen des Thüringen Lutherweges werden zunächst zwei präsentiert. In den Ausstellungsräumen wird auch über das aktuelle Projekt von Kirche und Tourismus informiert, die 'Europäische Kulturroute der Reformation'. Für die Ausbreitung der Reformation in Europa wird am Beispiel des Posener Landes dokumentiert, wie sich die Reformation in Polen entwickelt hat. In dem neuen Gebäude ist auch die Reinhardsbrunner Täuferausstellung untergebracht. Als ersten Baustein des geplanten Integrations-projektes 'Garten der Religionen' wird im Zentrum ein Begegnungs- und Erzählcafe eingerichtet  Es ist zu hoffen, dass dieses neue Leuchtturmprojekt eine weitere Attraktion der Region wird.

Die Einweihung des neuen Zentrums ist Jahreshöhepunkt von Kirche und Tourismus e.V.

Hier die Grußworte der Veranstaltung:

Dr. Babette Winter, Staatssekretärin für Kultur und Europa

Grußwort anlässlich der Eröffnung des Lutherweginformationszentrums

„Reformation geht weiter“ am 18. Januar 2018 in Reinhardsbrunn

Sehr geehrter Herr Boelter,

Herr Propst Werneburg,

Herr Dr. Steinhäuser,

Herr Landrat Gießmann,

meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich freue mich, die Eröffnung des Lutherweginformationszentrums in Reinhardsbrunn mit zu erleben und darf Ihnen die herzlichen Grüße der Thüringer Landesregierung überbringen. Dieser Tag ist für viele Menschen ein Tag der Freude, denn ein lange geplantes Projekt kann endlich der Öffentlichkeit übergeben werden. Seit zehn Jahren wurde eifrig daran gearbeitet, das ehemalige Heizhaus zum Lutherweginformationszentrum aus- und umzubauen und hier ein weiteres touristisches Angebot für Gäste zu schaffen. Das neue Informationszentrum wird eine wichtige Anlaufstelle für Wanderer, Pilger, Radfahrer und Kulturtouristen sein, die in Reinhardsbrunn Station machen. Es soll einen Beitrag leisten, Einheimische und Gäste über touristische Angebote – auch mit religiösem Bezug – in Thüringen zu informieren. Für die Thüringer Landesregierung verbindet sich mit der Eröffnung des Lutherweginformationszentrums die Hoffnung, dass mit diesem Angebot der Kultur- und Naturtourismus in Thüringen nachhaltig gestärkt wird.

Wir können nicht sicher sein, ob der Reformator Martin Luther den nach ihm benannten Wanderweg, der bewusst an die mittelalterliche Tradition der christlichen Pilgerwege anknüpft, die als Pulsadern Europa vielfach durchzogen, gutgeheißen hätte. Es ist bekannt, dass Luther das Pilgern und Wallfahren als Spielart des Ablasshandels und falsches Buhlen um Gottes Gnade verurteilte, denn jede Gläubige und jeder Gläubige sei ohnehin ihrer teilhaftig.

Wir sind heute aber weniger streng als der Reformator. Viele Menschen schätzen das Wandern und Pilgern als Möglichkeit, spirituelle Sinnsuche mit irdischen Zielen zu verbinden, wie zum Beispiel die körperliche und seelische Gesundheit zu stärken, die eigene Identität durch die Selbsterfahrung in der Natur zu bereichern oder auch den eigenen Horizont durch die Begegnung mit unserem kulturellen und ideellen Erbe zu erweitern. Das Lutherwegenetz unterbreitet allen Interessierten ein Angebot der Entschleunigung, die europaweit auf ein zunehmendes Interesse stößt. Die Sehnsucht nach Entschleunigung ist da – Digital Detox ist das dazu passende Schlagwort.

Das neue Lutherweginformationszentrum gibt Auskunft über wichtige mitteldeutsche Reformationsstätten und über fünf Erlebnisräume des Thüringer Lutherweges. Es wird über die „Europäische Kulturroute der Reformation“ informieren und dabei in Erinnerung rufen, dass die Reformation ein gesamteuropäisches Ereignis war – mit vielen Licht- und Schattenseiten. Die hier untergebrachte Ausstellung „Die Täufer in den Widersprüchen der Zeit“ ruft die Intoleranz der evangelischen Christen des 16. Jahrhunderts in Erinnerung. Sie ist der Erinnerung an jene zwei Männer und vier Frauen gewidmet, die am 18.1.1530 in Reinhardsbrunn hingerichtet wurden, weil sie die Glaubensüberzeugung der Lutheraner nicht teilten. Sie gelten als die ersten Opfer evangelischer Intoleranz im mitteldeutschen Raum, die unter Billigung von Luther und Melanchthon wegen ihres Glaubens staatlicherseits zu Tode gebracht wurden. Ich selbst habe viele Jahre in Münster gelebt, und dort erinnert man eher mit einem Gruseleffekt an die Täufer mit den Käfigen an St. Lamberti. Hier wird diese Auseinandersetzung und Aufarbeitung der Geschichte viel ernsthafter geführt, was ich sehr begrüße.

Von der Reformationszeit unterscheidet unsere Epoche ein neues, über Jahrhunderte gewachsenes Toleranzverständnis. Es zeigt sich zum Beispiel darin, dass das neue Lutherweginformationszentrum allen kultur- und naturinteressierten Menschen mit und ohne Religion offensteht. Bald wird an dieser Stelle auch der „Garten der Religionen“ entstehen, der jüdische, christliche und muslimische Elemente enthalten wird. Dieser „Garten der Religionen“ soll zum Nachdenken anregen, wie wir mit unterschiedlichen Überzeugungen und Werten friedlich miteinander leben können. Auch für dieses Projekt möchte ich den Initiatorinnen und Initiatoren im Namen der Thüringer Landesregierung danken. Wir unterstützen alle Kräfte in unserem Land, die Zeichen für Toleranz und gegen disruptive Kräfte setzen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

rückblickend auf das Jahr 2017 lässt sich feststellen, dass das Reformationsjubiläum ein großer Erfolg für Thüringen war. Die Eröffnungsveranstaltung in Eisenach blieb mit ebenso eindrücklichen Bildern wie Worten in Erinnerung. Die Abschlussveranstaltung im Erfurter Augustinerkloster bot Mitwirkenden die Möglichkeit des reflektierenden Rückblicks. Dazwischen lagen u.a. der 117. Deutsche Wandertag in Eisenach, die Ausstellung „Luther und die Deutschen“, mit 300.000 Besucher/innen die erfolgreichste Ausstellung zum Reformationsjubiläum 2017. Das Reformationsjubiläum hat im ganzen Land und nicht nur in den Zentren Wirkung erzielt. Dafür stehen zum Beispiel der Reformationstag in Schmalkalden, die Ausstellung „Luthers ungeliebte Brüder“ in Mühlhausen und das Lutherweginformationszentrum in Reinhardsbrunn.

Aus Anlass des Reformationsjubiläums wurden Baudenkmäler saniert, Verkehrsinfrastruktur erneuert, touristische Angebote ausgebaut, Kooperationen zwischen Museen und wissenschaftlichen Einrichtungen entwickelt. Diese Investitionen und Kooperationen sollen den einheimischen Tourismus in den nächsten Jahren stärken. Ich habe die große Hoffnung, dass auch Reinhardsbrunn vom Lutherweg, dem Lutherweginformationszentrum und durch die Kooperation mit der Lutherweg-Gesellschaft nachhaltig profitieren wird. Ich wünsche Reinhardsbrunn und dem Lutherweginformationszentrum viele Gäste aus nah und fern sowie dem Projekt „Garten der Religionen“ einen erfolgreichen Bauverlauf.

 

Landrat Konrad Gießmann, Gotha

Sehr geehrter Propst Werneburg,

sehr geehrte Frau Staatssekretärin Dr. Winter,

sehr geehrter Herr Bürgermeister Klöppel,

sehr geehrter Herr Dr. Steinhäuser,

sehr geehrter Herr Boelter,

meine sehr geehrten Damen und Herren,

 

die deutsche Geschichte ist untrennbar mit Martin Luther verbunden. Seine Thesen führten zu einem Wandel der gesamten damaligen christlichen Welt. Noch heute erinnern uns im Alltag Straßen, Plätze, ja sogar Sprichwörter an den einstigen Mönch und Theologieprofessor. Und noch immer werden neue Schriften und Orte des Wirkens wieder entdeckt.

So ist auch Reinhardsbrunn ein solcher Ort der Begegnung mit Luther. Das Kloster war einst nicht nur das geistliche Zentrum der Landgrafschaft Thüringen und das Hauskloster und die Grablege der Ludowinger. Vielmehr durchstreifte Martin Luther während seines Aufenthaltes auf der Wartburg 1521/1522 oft diese Gegend. Hier her, in die Wälder um Reinhardsbrunn, führte Luther wahrscheinlich auch die einzige Jagd, an welcher er von der Wartburg aus teilnahm.

Und während seiner Reise nach Worms im Jahr 1521 hat Martin Luther im Kloster Reinhardsbrunn übernachtet. Von Friedrich Myconius ist derweil überliefert, dass Martin Luther hier seltsame Dinge mit den Mönchen verhandelt habe. 1537 unterzeichnete Luther auf der Bundesversammlung in Schmalkalden den Schmalkaldischen Artikel.

Und wie seinerzeit kann man auch heute noch auf den gleichen Wegen wie Luther wandeln. Der Lutherweg erinnert heute an die Route seiner damaligen Heimreise nach Wittenberg.

In den vergangenen Jahrzehnten wurde der Lutherweg stetig erweitert und so führt er uns heute an zahlreiche Orte, an denen Luther wirkte und die sein Vermächtnis aufzeigen. Der Lutherweg ist als Wanderroute durch Thüringen und Sachsen-Anhalt nicht nur ein touristischer Magnet. Er ist auch ein spiritueller Pfad. Unterwegs gibt es zweifellos viel zu entdecken und zu erleben.

Mit dem heutigen Tage eröffnen wir mit dem Lutherweginformationszentrum ein weiteres Highlight für Touristen und Einheimische, die auf den Spuren Luthers wandeln wollen. Die Pilger erwarten hier nicht nur Informationen und Ausstellungen zum Thüringer Lutherweg und der Reformation. Eine weitere Präsentation widmet sich den Täufern, die am 18. Januar 1530 in Reinhardsbrunn hingerichtet wurden und als Märtyrer der Reformation in Thüringen gelten. Dabei ist dieser Ort der Begegnung lange noch nicht fertig. In den kommenden Monaten werden weitere Räume und Module entstehen. Außerdem wird bald der Grundstein für den Garten der Religionen gelegt. Damit entsteht Raum für Begegnungen – für Christen, Juden und Muslime.

Denn nur wenn wir uns begegnen, miteinander sprechen und uns zuhören, können wir uns auch gegenseitig verstehen. Deshalb bin ich stolz und glücklich, dass ein solcher einmaliger und wichtiger Ort im Landkreis Gotha entsteht.

Mein Dank gilt daher den Initiatoren, Christfried Boelter und Meik Schmidt für ihre unermüdliche Arbeit und ihren Durchhaltewillen.

Ich wünsche Ihnen für das Informationszentrum viele Besucher, für den Bau des Gartens der Religionen gutes Gelingen und dem Projekt aber auch Ihnen persönlich allen Gottes Segen.

 

Dr. Ekkehard Steinhäuser

Präsident der Deutschen Lutherweg-Gesellschaft e.V.

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Sehr geehrten Damen und Herren,

verehrte Gäste und Ehrengäste,

liebe Schwestern und Brüder,

mit großer Freude habe ich die Einladung angenommen, zur heutigen Eröffnung des Lutherweg-Informationszentrums in Reinhardsbrunn ein Grußwort zu sprechen. Als Präsident der Deutschen Lutherweg-Gesellschaft tue ich das umso lieber, als der Vorsitzende des Vereins Kirche und Tourismus e.V., Herr Christfried Boelter, selbst Mitglied in unserem Präsidium ist. Der Verein Kirche und Tourismus zählt seit Gründung der Deutschen Lutherweg-Gesellschaft zu ihren tragenden Säulen und ist aus ihrer Geschichte nicht mehr wegzudenken. Herrn Boelter und seinem gesamten Team gebührt Dank und Anerkennung für alles Geleistete, das seinen Niederschlag unter anderem in der heutigen Eröffnung des Lutherweg-Informationszentrums findet.

Wir erinnern uns: Am 4. Mai 2015 wurde der komplett erschlossene Lutherweg in Thüringen eröffnet. Die feierliche Veranstaltung fand auf der Wartburg statt. Schirmherren sind Ministerpräsident Bodo Ramelow und die Ministerpräsidentin a.D. Christine Lieberknecht. Der Thüringer Lutherweg, der eine Gesamtlänge von 1010 km besitzt, und damit der längste aller Lutherwege in Deutschland ist, ist fester Bestandteil des Mitteldeutschen Lutherwegs und sichert die Anbindung an die Nachbarländer Bayern, Hessen, Sachsen und Sachsen-Anhalt.

Die Entwicklung und der Ausbau des Thüringer Lutherwegs waren rasant. Im Jahr 2009 wurde mit einer Strecke von gerade einmal 16 Kilometern begonnen; nur sechs Jahre später waren es 1010 Kilometer. Die wachsende Dynamik des Lutherwegs markiert Herausforderungen. Zu den wichtigsten Aufgaben gehört, das Thema „Lutherweg“ in all seinen Facetten erlebbar zu machen. Unter Beachtung einer klar definierten Zielgruppenorientierung gilt es, die verschiedenen Themen des Lutherweges zu entwickeln.

Der Thüringer Lutherweg verknüpft die Reformation und ihr Erbe mit dem Wandern und Pilgern in attraktiven Landschaftsräumen. Wandern und Pilgern auf dem Lutherweg heißt, in Dialog zu treten mit der Reformation von damals und der Religion von heute, auch wenn oder gerade weil unsere Gesellschaft in Ostdeutschland mehrheitlich konfessionslos ist. Das geschieht durch lebendige Sprache und interaktive Kommunikation. An einem Beispiel möchte ich das deutlich machen:

Auf dem Thüringer Lutherweg treffe ich einen jungen Mann. Ich nenne ihn Herrn Müller, er ist 25 Jahre alt, hat eine ostdeutsche Herkunft, ist Student und konfessionslos.

Herr Müller sagt:

»Wenn ich Zugang zu Religion und Glauben finde, dann überhaupt nur durch Tradition. Weil dadurch: Also wenn ich weiß, dass das schon so lange gegolten hat und dass - also dieser Gedanke macht auf mich schon großen Eindruck. Wobei ich mir dann auch die Frage stelle: Warum gilt das heute nicht mehr? Aber ich meine: Ich komm auf jeden Fall ins Fragen zum Glauben. Und in diese Richtung halt so.« Ich frage nach: »Was meinen Sie mit: Es hat gegolten und gilt heute nicht mehr?« »Na, dass, also überhaupt, der Glaube und Religion. Glaube als wirklich Maßgebendes und Bestimmendes, das die gesamte Gesellschaft durchdringt, und worauf sie eigentlich ausgerichtet ist. Also das haben wir, spätestens seit der Aufklärung ist das nicht mehr der Fall. Und da ist irgendwo, also das sehe ich schon, irgendwo was weg, und was auch nicht wirklich ersetzt wurde. Wo jetzt heute irgendwo, ja weiß nicht, die Wissenschaft steht oder so. Ist vielleicht der Ersatz dafür. Aber ob das jetzt ein ausreichender Ersatz ist, ist ja noch die andere Frage. Also das ist irgendwo, also da stell ich mir halt die Frage. Wenn ich jetzt so vergleiche, wenn ich jetzt so sehe, was damals war und was heute war.« Ich frage: »Suchen Sie klare und verbindliche Wahrheiten? So höre ich das ein bisschen.« »Naja. Ich denk mal […] Im Endeffekt denk ich mal, geht es doch immer darum, dass man die Wahrheit sucht. Ob man das nun so sagt oder nicht sagt. Ist ja heute nichts Anderes. Und ich sehe auch so was wie meinetwegen Kommunismus oder solche Sachen. Das sehe ich auch. Ist ja auch ´ne Art von Religion, ist ja auch ´ne Art von Wahrheit, die man da auch glaubt irgendwo. Und das haben wir heute ja auch. Wir glauben auch an unsere Wahrheit. Gewisse Wahrheiten, die gesellschaftlich geglaubt werden. Nur, diese beiden [Kommunismus und Nationalsozialismus] waren irgendwie ein bisschen - ja ich weiß nicht von wo die herkommen. Also die sind irgendwie aus dem Menschlichen her. Also, weiß nicht. Das ist manchmal. Ja, das ist was Anderes halt als der christliche Glaube, der halt ´ne Wahrheit, äh, ne völlig andere Wahrheit postuliert, die irgendwo auch, ja im Transzendenten halt zu Hause ist und für mich diese Tradition halt erfüllt. Das finde ich ganz wichtig.«

Ich interpretiere die Sätze von Herrn Müller so:

Die Frage nach der Wahrheit bzw. nach »elementaren Wahrheiten« trifft den Nerv der Zeit. Wenn es um die Wahrheit geht, gibt es keine Neutralität, sondern nur Positionalität. Optionen sind gefragt, die die Menschen in tiefergehende Gedanken bringen. Der Blick auf die Wahrheitsfrage will nicht nur das »grundlegend Elementare« eines Themas hervorheben, sondern auf einer tieferen Ebene das »gewissmachend Wahre« in den Mittelpunkt rücken, das Menschen Orientierung gibt. Doch an dieser Stelle beginnen viele Probleme: Was ist unter Wahrheit oder dem sog. »gewissmachend Wahren« zu verstehen? Es geht ja nicht darum, dass Wahrheiten einfach behauptet werden, und dann von anderen akzeptiert und geglaubt werden müssten. Das geht erst recht nicht, wenn es sich um religiöse Wahrheiten handelt.

Der Versuch einer Präzisierung des Wahrheitsbegriffs scheint mir darum geboten, denn um die Wahrheit insgesamt ist es in Zeiten der Pluralität nicht leicht bestellt. Die Wahrheit scheint durch die Vielzahl der Religionen, Weltanschauungen, Wahrheitsansprüche anderer und vor allem durch die »gezielte Kurzfristigkeit« und »Mentalität der kurzen Dauer« flüssig und flüchtig geworden zu sein. Doch: Sollten wir deshalb in Zukunft auf elementare Wahrheiten verzichten?

Der entscheidende Punkt der elementaren Wahrheiten ist für mich die Gottesfrage. Sie fächert sich in eine kleine Anzahl einzelner Grundfragen auf. Es sind die Fragen nach der »Existenz und Wirklichkeit Gottes«, nach dem »Rätsel des Anfangs allen Seins« und dem »Rätsel des Endes«, wozu auch der individuelle Tod und die Frage nach einem Weiterleben nach dem Tod gehört. Ziel ist dabei nicht, schnelle Antworten auf schwere Fragen zu geben. Orientierungspunkt aller Diskussion um die Wahrheitsfrage sollte vielmehr das »elementare Ringen um die Wahrheit« sein, das den Menschen in eine persönliche Auseinandersetzung mit der Wahrheitsfrage stellt.

Die Suche nach elementaren Wahrheiten hat nichts zu tun mit einer Aneinanderreihung mehr oder weniger richtiger Einzelinformationen. Ganz im Gegenteil. Menschliche Tiefen-dimensionen sind gemeint; religiöse Themen, die das Menschsein in seiner ganzen Existenz berühren und treffen. Welche existentielle Wahrheit kann sich durch das Thema für mich eröffnen? Der Suchende soll lernen zu fragen: Welche Bedeutung hat die Frage nach Gott und die Frage nach der Wahrheit für mich? Was bedeuten die Themen Schöpfung, Glück, Vergebung, Tod oder Leid für mich? Hier kommt der Aspekt der individuellen Relevanz in den Blick. Im Kern stellt sich die Suche nach elementaren Wahrheiten als Suche nach den elementaren Bedeutungen für das eigene Leben dar. Das Ringen um die Wahrheit kann so als »Suche nach Lebensbedeutsamkeit« verstanden werden.

Die Suche nach Lebensbedeutsamkeit treibt Menschen unterschiedlichster religiöser, kulturelle und sozialer Herkunft hierher, zum Lutherweg-Informationszentrum nach Reinhardsbrunn. Möge dieser Ort ein Ort der Sinnfindung sein. Das wünsche ich allen Verantwortlichen sowie den Besucherinnen und Besuchern.

 

Pfarrer Dr. Gregor Heidbrink, Kirchenkreis Walterhausen-Ohrdruf

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Schwestern und Brüder,

al Stellvertreter des Superintendenten bringe ich die Grüße des Kirchenkreises Waltershausen-Ohrdruf.

Derzeit finden rund um Friedrichroda die Veranstaltungen der Allianzgebets-woche statt. Christen aus verschiedenen Gemeinden begehen seit 1861 die Allianzgebetswoche. Eine Woche im Jahr gewidmet dem Austausch und dem Gebet. In diesem Jahr unter dem passenden Motto: Als Pilger und Fremde unterwegs. Lasst uns das wieder entdecken, dass wir unterwegs sind. Mit Gott unterwegs! In Richtung eines gelobten Landes.

Verbunden ist dies mit dem Bekenntnis: Zu oft haben wir es uns bequem eingerichtet. Zu oft waren unsere Gemeinschaften verschlossen für Fremde. Wir hatten eine Kirche, die zur Heimat dazugehörte – und Heimat als Begriff ist wieder im Kommen. Aber im Sinne des Erfinders ist eine Kirche, die sich zur Heimat hin orientiert und die zur Heimat wird für alle, die mit diesem Leben oder diesem Lande fremdeln.

Deshalb bin ich dankbar für das Anliegen des Lutherweges. Wir freuen uns, dass er mit diesem Informationszentrum im Kirchenkreis Waltershausen-Ohrdruf verankert ist. Ich hoffe auf den Austausch, der passiert, wenn Menschen sich auf den Weg machen. Sich begreifen als einer, der beständig unterwegs ist, das ist spiritueller Tourismus.  Wissen Sie, wer der erste spirituelle Tourist war? Lange vor Luther sprach Gott zu einem Mann:

„Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will.“

Der Mann, der dies hörte, war 75 Jahre alt und hieß Abram: zu deutsch, der Vater ist berühmt. Ein Mensch, der sein ganzes Leben in dem Bewusstsein gelebt hat, dass sein Vater etwas besonderes ist – und er nicht. Er hatte keine Nachkommen gezeugt. Mit ihm geht es zu Ende.

Ich kenne das Gefühl. Ich bin Lutheraner. Meine Kirche heißt nach einem berühmten Vater. Aber selbst ist sie unfruchtbar. In vielen Orten geht es zum Ende. War das alles, was Gott mit uns vorhat – oder kommt da noch etwas?

Später bekam Abram den Namen Abraham: Vater vieler Völker. Eine eigene Identität wuchs, nicht bloß Erinnerung an die Heldentaten des Ahnen. Aus dem kleinen Anfang ist etwas geworden, das Segen über die ganze Menschheit brachte. Gott nutzt den unwahrscheinlichen ersten Schritt.

Ach, dass es hier so ähnlich sein könnte: Dass Menschen sich auf den Weg machen – und wir uns neu als Weggemeinschaft begreifen. Wie schön wäre es, wenn Menschen das nur scheinbar sichere hinter sich lassen würden – um sich auf das zu besinnen, was wirklich wichtig ist.

Und wer weiß, für wen gerade dieses Lutherwegsinformationszentrum zu einem Anstoß auf seinem Weg werden wird.

Lieber Bruder Boelter, Ihnen und den Mitarbeitern hier vor Ort gebührt unser Dank für den Dienst, den Sie in diesem Sinne hier tun.

 

Grußwort der LWW zur Einweihung des Lutherbegegnungszentrums in Reinhardsbrunn

Meine Damen und Herren, sehr geehrte Ehrengäste.

Ich überbringe Ihnen die besten Grüße und Wünsche des Bundesvorstands der Landsmannschaft Weichsel-Warthe (LWW) zur Eröffnung dieses neuen kirchlichen Begegnungs- und Informationszentrums.

Den Meisten wird die LWW nicht bekannt sein. Wir gehören zum weiteren kirchlich-ehrenamtlichen Arbeitsbereich unseres heutigen Gastgebers, Pfarrer Christfried Boelter, der seit zwei Jahrzehnten Vorsitzender der Gemeinschaft Evangelischer Posener (Hilfskomitee) e.V. ist. Dieses seit 1946 existierende Hilfskomitee gab bei der Gründung der Bundesrepublik Deutschland 1949 den Anstoß zur Bildung einer Landsmannschaft als Dachverband und politische Vertretung der Interessen der vertriebenen ehemaligen Bewohner des Vorkriegspolens. Die LWW vertritt dabei vier höchst unterschiedliche auslandsdeutsche Siedlungsgebiete. Dazu gehört das vom genannten Hilfskomitee vertretene Posener Land, das von 1793 – mit kurzer Unterbrechung – bis 1920 zu Preußen gehörte, weiterhin die in dieser Zeit russisch verwalteten Gebiete Mittelpolens mit den Zentren Lodz, Białystok, Lublin und Warschau. Zudem gehörten damals die heute ukrainischen Gebiete von Wolhynien und das unter österreichischer Verwaltung stehende Galizien mit seiner Hauptstadt Lemberg (Lviv) dazu.

Zur Darstellung der Geschichte, Herkunft und der Arbeit des Hilfskomitees seit 1946 haben wir eine kleine Ergänzung zu der bereits bestehenden Ausstellung erstellt, die Sie im Folgenden auf fünf Rollups betrachten können.

Sie zeigt deutlich auf, welch große Bedeutung die Reformation auch in Polen hatte, was heute kaum jemandem bekannt ist. Bereits seit dem Mittelalter siedelten deutsche Kolonisten in der Doppelmonarchie Polen-Litauen, doch durch eine totale Anpassung, Assimilation, ging dieses Deutschtum bis zum 16./17. Jahrhundert in der Gesamtbevölkerung auf.

Die Ideen der Reformation, auch speziell Luthers, kamen durch den polnisch-litauischen Adel und das in den deutschrechtlichen Städten aktive deutsche Bürgertum nach Polen. Der sehr mächtige Adel erreichte mit der Warschauer Konföderation von 1573 ein Toleranzedikt, das im damaligen Europa vorbildlich war und Polen-Litauen zum tolerantesten Staat machte. Als dann die Gegenreformation mit Wucht im Heiligen Römischen Reich umgesetzt wurde, wurde Polen-Litauen Aufnahmeland Nummer 1 für Glaubensflüchtlinge. Die Auswirkungen und das Wirken der Lutheraner in Polen sind bis heute zu spüren, auch wenn es heute nur noch sehr wenige Mitglieder der augsburgisch-lutherischen Kirche gibt. Die Bedeutung der Lutheraner in der Geschichte Polens wird seit Jahren von der polnischen Wissenschaft erforscht. Auch aus diesem Grunde ist die Posener Ausstellung hier am richtigen Ort untergebracht. Ich möchte noch an die Versöhnungsdenkmäler in Reinhardsbrunn von 2003 und in Posen, 2004, erinnern. Sie markieren Anfang und Ende eines Versöhnungsweges zwischen Deutschland und Polen unter dem biblischen Motto „Glaube, Liebe, Hoffnung“. Gehen Sie gemeinsam mit uns diesen Weg der Versöhnung. Die LWW wählte bereits vor dem Mauerbau in der DDR im Jahr 1961 das Motto „Brücke der Verständigung“ und war damit wegweisend.

 

Lenemarie Funck-Späth, Bad Königshofen, Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden in Deutschland

Reinhardsbrunn - Einweihung des Lutherwegsinformationszentrums 18.01.2018

Dank für die Einladung –

Grüße und Segenswünsche der AMG

Mennoniten waren Teil der Täuferbewegung, die im 16. Jahrhundert, im Zuge der Reformation entstand. Sie stimmten in vielen theologischen Fragen mit den Reformatoren überein, vertraten jedoch in folgenden

Fragestellungen eine andere Auffassung, aufgrund ihrer persönlichen Erkenntnisse durch intensives Bibelstudium.

- Taufe als freiwillige Entscheidung mit persönlichem Bekenntnis des Glaubens an den Dreieinigen Gott

- Trennung von Staat und Kirche

- Gewaltfreiheit im Handeln auf allen Ebenen (lt. AMG Flyerzur Info ausgelegt)

Diese Überzeugungen sind auch heute wesentliche Merkmale unserer Freikirche, den Mennonitengemeinden, weltweit.

Heute (Statistik 2015) gib es weltweit ca. 2,1 Millionen Mennoniten, in ca. 86 Ländern, davon leben zwei Drittel in Afrika, Asien und Südamerika.

Die Mennonitische Weltkonferenz (MWK) ist „eine Gemeinschaft täuferischer Kirchen“, sie besitzt keine Lehr-Autorität. Um jedoch Konsens mit den unterschiedlichsten Kulturen, Traditionen und Sprachen zu finden wurde –ein „Gemeinsames Glaubenzeugnis „ weltweit erarbeitet.

(Flyer steht in der Aussstellung zur Verfügung)

Die MWK ist Gesprächspartner anderer kirchlicher Weltbünde wie z.B. dem lutherischen Weltbund.

Zur Vorgeschichte des heutigen Täufergedenkens einige Aspekte:

1980 wurde in Augsburg das 450-jährige Jubiläum des Augsburger Bekenntnisses, der CA, gefeiert. Vertreter aller Mitglieds-Kirchen der ACK Bayern waren eingeladen. Auch der damalige Pastor der Mennonitengemeinden München, Willi Wiedemann. In seinem Grußwort wies er darauf hin, dass die CA die „Wiedertäufer“ mit scharfen Worten verwerfe.

z.B. in Artikel 16 „….damit werden die verdammt, die als unchristlich ablehnen „rechtmäßig Kriege zu führen“

Dadurch ist bis heute ein zentrales Anliegen der Täufer, nämlich gewaltfrei zu handeln verurteilt.

Ebenso wie durch CA 09 „…man soll auch die Kinder taufen … deshalb werden Wiedertäufer verworfen, die lehren, dass die Kindertaufe nicht recht sei.“

Willi Wiedemann stellte in seinem Grußwort öffentlich die Frage, ob er an diesem Tag seine eigene Verdammung feiern solle …

Diese Problematisierung der vor 450 Jahren erfolgten Verwerfung der Täufer war der Auslöser für den Beginn luth-menn. Dialoge in Deutschland und auf Weltebene

Zunächst in Bayern von 1989 – 1992

Die Ergebnisse wurden von der. VELKD (Vereinigte Lutherische Kirchen Deutschlands)übernommen.

Die VELKD bedauerte, dass die in der CA formulierten Verwerfungen der Täufer damals zur Verfolgung und Hinrichtung beigetragen haben. –Zitat:

„Wir möchten unsere Beziehungen auf eine neue geistliche Grundlage stellen.

….. dass wir weitere Schritte aufeinander zu im Sinn einer versöhnten Verschiedenheit gehen können“ ---„den weiterhin bestehenden Lehrunterschieden zwischen unseren Kirchen und Gemeinden, messen wir keine Kirchen trennende Bedeutung zu“

Durch die Gespräche zwischen VELKD und AMG konnte erstmals eine gegenseitige Einladung zum Abendmahl ausgesprochen werden (eucharistische Gastbereitschaft). Diese wurde im März 1996 in Hamburg und Regensburg

in feierlichen Gottesdiensten vollzogen und gefeiert.

Schon 1984 drückte der LWB den Wunsch nach einem Dialog mit Mennoniten auf internationaler Ebene aus. Er fand mit der MWK von 2005 bis 2008 statt unter dem Leitthema “Heilung der Erinnerungen“

Dabei wurde betont, dass die gegenwärtigen Lehrdifferenzen als Herausforderungen verstanden werden können, (vgl. CA)

- das Taufverständnis

- Christen und weltliche Obrigkeit

- Gemeindeverständnis – Priestertum aller Gläubigen

-Gewaltfreiheit –

- Ablehnung von Dienst mit Waffen

Der LWB formulierte als Ziel „trotz unserer theologischen Unterschiede. wollen wir unsere Bereitschaft zum Ausdruck bringen, die Verwerfungen der Vergangenheit zu überwinden und im Prozess des Dialogs Wege finden, einander frei als Schwestern und Brüder in dem einen Leib Christi anzuerkennen.“

Schlussbemerkungen im Dialog war wegweisend:

„die Vergangenheit kann nicht geändert werden , aber wir können die Wege ändern, auf denen Vergangenheit in der Gegenwart erinnert wird. Das ist unsere Hoffnung. Versöhnung schaut nicht nur

zurück in die Vergangenheit, vielmehr schaut sie in eine gemeinsame Zukunft.“

Ein Dialog zwischen Päpstlichem Rat zur Förderung der Einheit der Christen und der Mennonitischen Weltkonferenz , fand 1998 – 2003 statt. Das Leitthema war „berufen Friedensstifter zu sein.

Infolge dieser Dialoge gibt es, einmalig in der bisherigen Kirchengeschichte einen trilateralen Dialog zum Thema „Taufverständnis“ zwischen Einheitsrat/Vatikan der rk Kirche, dem LWB und der MWK, auf Weltebene.

Die Kommission will die Ergebnisse ihrer sechsjährigen Studien in diesem Jahr veröffentlichen (wir sind gespannt!)

Am Versöhnungsgottesdienst zwischen LWB und MWK in Stuttgart nahm 2010 Pröbstin i.R. Marita Krüger, (Meiningen) als Delegierte des LWB teil.

Sie wurde dadurch angeregt, Täufer und deren Geschichte in Südthüringen zu eruieren und fand in Oberpfarrer i.R. Köhler eine sehr geschichtlich fundierte und engagierte Persönlichkeit. So konnte die Ausstellung „Täufer in den Widersprüchen ihrer Zeit“ konzipiert werden.

Im März 2012 beging die lutherische Gemeinde St. Blasii, Zella-Mehlis einen Gedenkgottesdienst an die Verfolgung von Täufern in der Region. Ein Gedenkstein wurde errichtet vor St. Blasii, Zella-Mehlis im September 2013

Schon vorher, im Januar 2013 wurde die Stele mit Namen der ermordeten Täufer in Reinhardsbrunn enthüllt.

(Barbara Unger, Elsa Kuntz. Andreas Kolb, Katharina Kolb, Christoph Ortlep, Katharina König.)

Ich schließe mit einem Zitat des anglikanischen Erzbischofs William von Canterbury in Stuttgart 2010:

„Gegenseitige Versöhnung ist eines der Kennzeichen für das Werk des heiligen Geistes und eröffnet völlig neue Möglichkeiten für den Leib Christi.“

In der Zielsetzung des neuen Lutherwegsinformationszentrums und Grundsteinlegung für einen Garten der Religionen wird versöhntes Miteinander als Ziel auch heute deutlich,

  • Die Reformation geht weiter. Lautet das Motto der EKM. 2017 war kein Schlusspunkt, sondern ein Doppelpunkt – wie Bischöfin Junkermann betonte, mit der Frage, wie leben wir heute die Grundeinsichten der Reformation?

Möge Ihnen als Verantwortliche für dieses vielschichtige Unterfangen in Reinhardsbrunn weiterhin viel Tatkraft und Weitsicht geschenkt werden und die Begleitung unseres Gottes erfahrbar sein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Christfried Boelter

Vorsitzender ‚Kirche und Tourismus e.V.

 

Kontakt und Info:

Meik Schmidt

Büroleiter

Tel. 03623/303085

 

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