Thüringer Informationszentrum Spiritueller Tourismus in Reinhardsbrunn

 

Nicht in Erfurt, nicht in Weimar und auch nicht in Eisenach befand sich im Mittelalter das geistliche und geistige Zentrum Thüringens sondern in Reinhardsbrunn, dem heutigen Ortsteil von Friedrichroda. Seit 1085 stand sich hier das Benediktinerkloster der Thüringer Landgrafen, ihr Hauskloster und ihre Grablege. Bis zur Reformation fanden die Ludowinger und die sächsischen Nachfolger im Kloster ihre letzte Ruhestätte. Elisabeth von Thüringen bestattete hier 1228 ihrer Mann, Ludwig IV. Im Volk wurde der Landgraf dann als ‚Ludwig der Heilige’ verehrt, Wunder an seinem Grab machten Reinhardsbrunn zum bedeutendsten Thüringer Wallfahrtsort. Unzählige Pilger kamen, um in seiner Grabkapelle zu beten. Auf den Grundmauern des Klosters errichteten die Herzöge von Sachsen-Coburg und Gotha im 19.Jahrhundert ein Jagd- und Lustschloss im neugotischen Stil. Der umgebende Schlosspark war der erste Thüringer Park des Historismus und ein Gartenkunstwerk von europäischem Rang. Bis zum Ende der DDR wurde das Schloss als Devisenhotel genutzt, es war durch seine internationalen Tagungen und die Konzerte des Gewandhauses überregional bekannt und ein kulturelles Zentrum im zweitgrößten Urlauberort der DDR.

 

Nach der friedlichen Revolution und dem Verkauf des Schlosses an eine westdeutsche Hotelkette begann der Niedergang. Das Hotel wurde geschlossen, sein Verfall schreitet voran, auch ein mehrmaliger Eigentümerwechsel führte bisher zu keiner Besserung. Im Außenpark des Schlosses errichtete die Ev. Luth. Kirche in Thüringen ab 1992 mit dem Evangelischen Stift ihr zentrales Bildung- und Begegnungszentrum. Zwei ehemalige Ferieneinrichtungen nahmen 6 unterschiedliche Aus- und Weiterbildungseinrichtungen auf. Auf Grund innerer und äußerer Schwierigkeiten löste die Landeskirche allerdings schon 1997 ihr Zentrum wieder auf. Seitdem haben sich kirchliche Vereine um die sinnvolle Nutzung des Geländes bemüht.

 

Unter dem Namen ‚Klosterpark Reinhardsbrunn’ entwickelten die Verantwortlichen touristische Projekte, die an die geistigen und geistlichen Wurzeln Reinhardsbrunn erinnern. Dazu gehörte der Nachbau der Taufkapelle von Bonifatius, die im Jahr 724 unweit von Friedrichroda errichtet worden war. Diese Reinhardsbrunner Johanniskirche (geweiht 2001)

ist erste Radwegekirche in Deutschland. Kloster Reinhardsbrunn und Schauenburg (erste Burg der Ludowinger) wurden als 1:10 Modelle nachgebaut und im Park aufgestellt. Die Region um Friedrichroda zählt heute wieder zu den wichtigen Tourismusgebieten Thüringens. Weltweit gehört vor allem der Kulturtourismus zu den Wachstumsbranchen. Eine Spezialform des Kulturtourismus ist der spirituelle Tourismus, seit einigen Jahren wird dieser Bereich gezielt untersucht, entwickelt, strukturiert und in Studien wissenschaftlich aufgearbeitet. Für die Kernländer der Reformation Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen wird vorallem das 500.Jubiläum dieses welthistorischen Umbruchs von Bedeutung sein.

 

Seit 2008 läuft die Lutherdekade, sie gibt dem spirituellen Tourismus wichtige Impulse Für Thüringen ist der Lutherweg ein großes Infrastrukturprojekt. Mehr als 850 km Wegstrecke verbinden 21 Lutherorte. Eine Station ist Reinhardsbrunn, Luthers Freund, der erste Superintendent Gothas Friedrich Myconius, berichtet, das Martin Luther als 'Junker Jörg' von der Wartburg aus mehrfach im Kloster Reinhardsbrunn war und zum Erstaunen der Mönche gelehrte Gespräche führte, was von einem 'Ritter' nicht unbedingt zu erwarten war. 

Vor diesem Hintergrund und im Zusammenhang mit den inhaltlichen Schwerpunkten des Vereins hat ‚Kirche und Tourismus e.V.’ im ehemaligen Heizhaus zwischen Schloss und Klosterpark Reinhardsbrunn ein Thüringer Zentrum für Spirituellen Tourismus aufgebaut und im Sommer 2011 eingeweiht. Damit konnte in diesem touristischen Bereich deutschlandweit Neuland betreten werden. In der aktuellen Tourismuskonzeption des Freistaates Thüringen ist der

Spirituelle Tourismus als eigener Bereich nun auch mit genannt.

 

In Reinhardsbrunn Geschichte des Ortes, der Region und die wichtigsten Thüringer Angebote des spirituellen Tourismus präsentiert und dokumentiert (Pilgern, Klosterorte, Kirchenmusik, Heilige Stätten, Offene Kirchen u.a.). Dieses Informationszentrum wird in den kommenden Jahren weiterentwickelt, der Lutherweg soll einen eigenen Ausstellungsbereich bekommen, dort wird auch das Thema 'Europäische Wege der Reformation' mit eingefügt. In diesem neuen Gebäude südlich des Informationszentrums entsteht in Zusammenarbeit mit dem Förderverein auch ein Info-Point für Schloss und Park Reinhardsbrunn. Es ist zu hoffen, dass dieses Leuchtturmprojekt nach seiner Fertigstellung - neben der Friedrichrodaer Marienglashöhle - weitere Attraktion der Region wird.

 

 

Christfried Boelter

Vorsitzender ‚Kirche und Tourismus e.V.

 

Kontakt und Info:

Meik Schmidt

Geschäftsführung

Tel. 03623/303085

 

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